Susanne Hottendorff
Die Autorin stellt sich vor
Hauptseite
Über mich
AKTUELL!
meine Bücher
meine Arbeit
Projekte
Aktuelles aus der Region
Bildergalerie
Bevorzugte Links
Gästebuch
Kontaktieren Sie mich
Impressum
AKTUELL!

Endlich ... es hat lange gedauert, aber Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude!

Rechtzeitig vor dem 6. Dezember haben wir es geschafft!

 

St. Pauli, Barmbek und ein bisschen Hamburg!

Eine heitere Hamburg Geschichte

Zum  Bestellen bei amazon bitte einfach auf das Buch klicken:

                                                  

Viel Spaß beim Lesen !  

Textprobe:

Es liegt nicht nur an der Jahreszeit, wir haben Ende November, dass es bereits kurz vor siebzehn Uhr dunkel wird. Die Wolken am grauen Himmel rauben der Stadt das letzte Licht. Von überall her dringen Geräusche an das Ohr, sie vermischen sich zu einem Getöse, das so vorher nie da gewesen war. Autos, die laut hupen, Kinder, die trotz des trüben Wetters noch auf der Straße spielen, Hunde, die laut bellen, obwohl sie sicherlich so gar keinen Anlass dazu haben. In der Ferne ertönt das Signalhorn eines Krankenwagens, der es scheinbar sehr eilig hat, sein Ziel zu erreichen. Die Straßenlaternen, die noch funktionsfähig sind, wo weder der Zahn der Zeit noch Halbwüchsige die Leuchtmittel zum Erlöschen gebracht haben, werfen Schatten auf das nasse Kopfsteinpflaster. Bizarre Muster bilden sich, die wenn man einen Schritt weiter geht, einem folgen, ohne Aufforderung. Angst, die langsam den Nacken hochzieht, stellt einige Haare auf. Vor einer umgekippten Mülltonne hockt eine altersschwache Katze. In dem heraus gefallenen Müll sucht sie nach Nahrung, um zu überleben. Laute Musik mischt sich in das bereits vorhandene Getöse. Aus einem geöffneten Fenster eines fast im Dunkel versteckten Hauses tönen Schreie. Nicht diese Art von Schreien, die an ein Verbrechen denken lassen, sondern eher die Sorte, die den Abschluss bilden, an einer Sache, die hoffentlich Spaß gemacht hat. Die Schritte einer unbekannten Person, die nicht zu sehen ist, werden lauter, um dann ganz plötzlich zu verstummen. Von einem nicht weit entfernten Kirchturm klingt der Schlag der Glocke und auch er vermischt sich mit den anderen Geräuschen. Viel zu schnell fährt ein Auto an mir vorbei. Der Fahrer, oder die Fahrerin, hat ohne auch nur im Entferntesten an die Gefahr zu denken, sowohl die Verkehrszeichen als auch den Zeb-rastreifen ignoriert. Feierabend, in allen Köpfen ist Feier-abend. Schnell nach Hause, schnell, schnell. Auch die junge Frau, die sich scheinbar unbekümmert an die Hauswand lehnt würde gerne schnell einen Freier finden. Bei diesem Wetter, zu dieser Uhrzeit wird sie jedoch noch warten müssen. Ein Radfahrer, er trägt tiefdunkle Kleidung, man kann ihn kaum vom Untergrund der Straße unterscheiden, fährt vermutlich nach Hause. Aus dem nahe gelegenen Ausgang der U-Bahn strömen Menschen, die entweder nach Hause oder zur nächsten Bushaltestelle drängen. Niemand achtet auf den Nächsten. Keiner kümmert sich, außer um sich selbst. Das große dunkle Bündel, das ganz am Rande der Straße liegt, dort, wo das unbebaute Grundstück schon seit Jahren als Müllablageplatz dient, nimmt keiner der Vorbeiei-lenden wahr. Wie lange es wohl schon dort liegt? Wer es wohl dort abgelegt hat? Und was sich wohl in ihm verbirgt? Aber das Interesse reicht nicht aus, keiner bückt sich, um es zu untersuchen. Bei Zeiten werden die streunenden Hunde und Katzen sich damit beschäftigen. Fressbare Abfälle blei-ben nicht lange unberührt. Egal welcher Art!
An der nächsten Ecke erreicht der Radfahrer sein Ziel. Eine Kneipe, in der jeden Abend immer die gleichen Kreaturen verweilen. Ob nun bei einem Klaren oder bei einem Rumgrog, ob bei einem Glas Bier oder ausnahmsweise bei einer Tasse Kaffee, alle Gäste sind willkommen. Die Wirtin der Kaschemme „Zur windigen Ecke" heißt Trude Palm. Seit mindestens vierzig Jahren steht sie hinter dem Tresen, der genau wie sie in die Jahre gekommen ist. Trude begrüßt jeden ihrer Gäste mit einem Moin - Moin. Sie ist irgendwo an der Küste geboren, wo weiß keiner und es interessiert auch keinen ihrer Gäste. Hauptsache die Gläser sind gefüllt. Die wackeligen Barhocker vorm Tresen sind um diese Zeit alle besetzt. Mehrere Trinkende haben sich auch schon an die kleinen viereckigen Holztische gesetzt, an denen jeweils vier Besucher Platz finden. Wer noch aufrecht die „Windige Ecke" verlässt und noch einen einigermaßen klaren Blick hat, der muss wohl oder über auf das Bündel am Straßenrand schauen. Ob er will oder nicht. Aber es kümmert keinen, auch heute nicht. Viele der Arbeiter aus dem Hafen, sie sind mit der Fähre von der anderen Elbseite gekommen, treffen sich hier um die Neuigkeiten des Tages auszutauschen. Auch Horst und Franz, beide arbeiten als Festmoker im Hafen, treffen sich allabendlich bei Trude. Die Themen der Beiden drehen sich hauptsächlich um Politik. Wer mit wem im Rathaus, und wer nicht, obwohl sie das nun ja auch nicht gerade aus erster Hand wissen können. Unser erster Bürgermeister Ole hat wieder, hört man Franz gerade sagen, als sich die Tür knarrend wieder öffnet. Zwei Männer betreten die Kneipe, solche, die man am liebsten von hinten sieht. Zwielichtige Gestalten. Dunkle Lederjacken, tief ins Gesicht gezogene Elbsegler, Schiffermützen, obwohl man sicher sein kann, dass diese Gesellen keine Seeleute sind. Sie bestellen sich jeder ein Bier und stellen sich etwas abseits der anderen Gäste an den Tresen, soweit das in der Enge des Lokals möglich ist. Trude reicht die Gläser über den Tresen und macht zwei Striche auf den Bierdeckel, den sie unter eines der Gläser legt. Mit einem kurzen „na denn Prost" ist der Vorgang für sie abgeschlossen. Die beiden Kerle beachten Trude nicht, sie haben ganz andere Sachen im Kopf. Beide stecken die Köpfe zusammen und scheinen sich gut zu kennen, das Gespräch wirkt so vertraut, so gewohnt. Den vorbeifahrenden Peterwagen hört niemand der Anwesenden. Nicht etwa, weil es viel zu laut ist, sondern weil es niemanden der hier Anwesenden wirklich interes-siert. Trude kennt die beiden, sie treffen sich hier regelmäßig, nicht jeden Tag, aber doch mehrmals in der Woche. Trude weiss längs, die beiden heißen Hans und Erwin, der lässt sich aber immer mit seinem Spitznamen Eddie ansprechen. Hans mag so Mitte Vierzig sein, sein Gesicht verrät, er hat schon reichlich Erfahrungen in seinem Leben sammeln können. Manche scheinen auch durch eine Faust gekommen zu sein, die Narben könnten mehr darüber berichten.